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  • Meinem Vaterland, der Republik Polen treu sein

     

  • AKTUELLES

  • 5 November 2018

    Am 4. November fand vor zahlreichen Zuschauern in Casino Montbenon in Lausanne ein feierliches Konzert zum 100. Jubiläum der Unabhängigkeit Polens statt. Die Musiker Krzysztof Książek und Agnieszka Zahaczewska-Książek haben Werke von Chopin, Paderewski und Szymanowski gespielt.

    Das Konzert wurde vom Polnischen Verband in Lausanne und der Botschaft der Republik Polen in Bern veranstaltet.

    Nachfolgend finden Sie die Rede, die vor dem Konzert vom Botschafter Jakub Kumoch gehalten wurde.

    Unabhängigkeit, sehr geehrte Damen und Herren!

    Unabhängigkeit, ein unbekanntes Wort!

    Ein Wort, das keine universelle Bedeutung hat. Ein Wort, das immer ein Enigma bleibt.

    Liebe schweizerische Freunde. Was ist für Sie die Unabhängigkeit?

    Eine Wahlmöglichkeit? Direkte Demokratie? Ein Recht, über Ihre Gemeinde und Ihren Kanton zu entscheiden? Ein Schutz für alles, was schweizerisch ist?

    Denken Sie einen Augenblick über dieses Wort nach.

     

    Und stellen Sie sich vor, dass es die Schweiz auf einmal nicht mehr gibt. Die Schweiz existiert nicht mehr, sie wurde unter den Nachbarn verteilt. Sie sind sich sogar einig, dass das Wort ‘Schweiz’ nie mehr verwendet werden darf. Ihre Institutionen existieren nicht mehr, Ihr Lebensstil wird nicht mehr respektiert.

    Stellen Sie sich vor, dass Sie im eigenen Hause sind, dort, wo Ihre Vorfahren gelebt haben. Leider ist es nicht mehr Ihr Haus! Jetzt ist es ein Teil eines anderen Staates. Sie werden gezwungen, eine andere Sprache zu sprechen und Bildnisse fremder Herrscher an Ihren Wänden aufzuhängen. Es sind Ihnen sehr gut bekannte Hohenzollern und Habsburger.

    Noch 1901 wurden die polnischen Kinder in Września mit der Brutalität des deutschen Staates konfrontiert, als die neuen Vorschriften nicht nur die Unterrichtssprache Deutsch festgelegt haben, sondern auch Gebete auf Polnische verboten haben. Stellen Sie sich vor, Ihnen, Schweizer Romands, wir ein solches Recht aufgezwungen.

    Stellen sie sich die Lage in dem russischen Teil vor. Stellen Sie sich vor, Sie sind hier in Lausanne und die französischsprachigen Lehrer an der Grundschule gezwungen sind, mit ihren französischsprachigen Schülern eine andere Sprache, sagen wir Italienisch, zu sprechen. Es ist eine schöne Sprache, doch es ist nicht Ihre Sprache. Stellen Sie sich ein ähnliches Recht vor.

    So hat das Leben von fünf Generationen Polen und Polinnen ausgesehen.

    Meine 1907 geborene Großmutter kann sich noch an diese Zeiten erinnern.

    Sie können jetzt also sehen, dass die Unabhängigkeit für uns eine ganz andere Bedeutung hat. Die Unabhängigkeit ist für Polen weder ein Lebensstil noch das Respekt für deren Kultur. Die Unabhängigkeit ist ein Menschenrecht, der Sinn des Lebens, eine Religion, ein Kultobjekt. Die Unabhängigkeit ist das Leben.

    Für die Polinnen hat sie das Stimmrecht bedeutet, das am ersten Tag des neuen polnischen Staates 1918 eingeführt wurde. Für unsere Vorfahren war das die erste Gelegenheit, an freier und gleicher Wahl teilzunehmen, um über unsere Zukunft mitentscheiden zu können.

    Die Unabhängigkeit ist ein heiliges Wort! Die Unabhängigkeit hat für uns ein Synonym – es lautet Polen!

    Es lebe Polen! Es lebe die Schweiz! Es lebe Europa freier Völker!

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