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  • Meinem Vaterland, der Republik Polen treu sein

     

  • AKTUELLES

  • 10 Oktober 2018

    Ich fordere uns auf, das vereinigte Europa als eine ethische Gemeinschaft von Staaten und Völkern zu gestalten, der die Gleichheit aller Mitglieder zugrunde liegt – sagte Andrzej Duda bei seiner Rede „The Future of Europe – Foundations of Unity of the States of Europe“, bei der er eine Vision der Zukunft für die europäische Integration geschildert hat.

    Der Präsident hat in seinem Vortrag auf drei Säulen hingewiesen, auf die sich die Europäische Union stützen soll.

     

    Die erste ist die Gemeinschaft von Gleichen, die – was unterstrichen wurde – das Respekt für jedes Land und gleiche Rechte für alle Länder bedeutet, die das Fundament für die europäische Einigung sind. – Das von Polen befürwortete Prinzip der Gleichheit bedeutet, dass Europa nicht zu einem exklusiven Club werden darf. Jahrhunderte lang lautete eine der grundlegenden Doktrinen der polnischen strategischen Kultur nihil novi sine communi consensus, d.h. nichts Neues ohne gemeinsame Einigung – erinnerte der Staatspräsident.

    Die zweite Säule ist die ethische Gemeinschaft – setzte Andrzej Duda fort und fügte hinzu, dass wir die EU nicht nur als ein technisches oder bürokratisches Konstrukt betrachten sollen. Der polnische Präsident wies darauf hin, dass es eine moralische Dimension der Integrationsprozesse gibt, die sich auf einen Katalog der universellen Werte stützt. Hier hat er auf die Loyalität, Solidarität und Verzeihung hingewiesen. Andrzej Duda ist der Meinung, dass es ohne Debatte über gemeinsame Werte kein vereinigtes Europa geben kann. Der Staatsoberhaupt brachte auch seine Überzeugung zum Ausdruck, dass sich die Europäische Union wieder auf die Werte besinnen muss, um weiter bestehen zu können.

     

    Die dritte Säule der Europäischen Union soll dem polnischen Präsidenten zufolge die Freiheit sein. Europa kann nur auf dem Fundament des freien Willens der Völker gebaut werden.

     

    Der Staatspräsident hat betont, dass Polen seinen Kampf um die Unabhängigkeit immer als einen Bestandteil eines breiteren Kampfes um die Freiheit in Europa betrachtet hat. Im Laufe der Geschichte haben viele Polen am gemeinsamen Kampf der europäischen Völker gegen die unterdrückenden Imperien der damaligen Zeit teilgenommen.

     Andrzej Duda hat unterstrichen, dass Polen eine Bastion der europäischen Integration ist, was auch mit sehr hoher proeuropäischer Einstellung bewiesen wird. Diese Einstellung ist eine natürliche Konsequenz unserer Geschichte und die Schlussfolgerung, die wir aus der Geschichte gezogen haben. – Polen hat immer vom Frieden und von der Zusammenarbeit in Europa profitiert – so der polnische Präsident.

    In demselben Raum, in dem der Staatspräsident Polens seinen Vortrag gehalten hat, hat 1946 Winston Churchill eine seiner berühmten Reden gehalten. Der britische Politiker hat damals ein Konzept für die Gründung von „Vereinigten Staaten Europas“ vorgestellt und an die Europäer appelliert, dass sie sich von den vergangenen Grausamkeiten abwenden und in die Zukunft blicken sollen. Churchill war der Meinung, dass sich es Europa nicht leisten kann, den Hass und den aus den Wunden der Vergangenheit erwachsenen Wunsch nach Rache zu nähren. Der erste Schritt zum Wiederaufbau der „europäischen Familie“ der Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Freiheit war in seiner Auffassung die „Gründung von etwas nach dem Vorbild von Vereinigten Staaten Europas“.

    1996 fand anlässlich dem 50. Jahrestag der berühmten Rede von Winston Churchill in der Aula der Universität Zürich das erste Churchill Symposium statt. Seit dieser Zeit werden hier alljährliche Konferenzen veranstalten, bei denen sich hochrangige Vertreter der internationalen Politik und Wirtschaft treffen, um laufende Belange der europäischen Integration zu besprechen. Einer der Spitzenpolitiker der westlichen Welt wird dabei jeweils von den Veranstaltern gebeten, einen Vortrag zu halten. Unter den bisherigen Rednern waren u.a. Henry Kissinger, Helmut Kohl, Tony Blair und Valery Giscard d'Estaing.

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